MICA tritt in eine neue Phase ein, während ein Panel der Paris Blockchain Week signalisiert, dass Europa nicht mehr nur Kryptowährungen, sondern die Zukunft der Marktinfrastruktur reguliert
Auf der Paris Blockchain Week argumentierten Peter Kerstens und Haider Rafique, dass MICA nicht als abgeschlossenes Regulierungsprojekt betrachtet werden sollte, sondern als Beginn einer breiteren Phase, in der Europa versucht, die Regeln für tokenisierte Märkte, digitale Vermögenswerte und eine neue Finanzinfrastruktur zu schaffen.
By SongMarketCap
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MICA ist kein Experiment mehr, sondern ein operatives Framework für den europäischen Kryptomarkt
Eines der inhaltlich stärksten Panels am ersten Tag der Paris Blockchain Week konzentrierte sich darauf, wie MICA in der Praxis funktioniert und was als nächstes kommt. Haider Rafique von OKX eröffnete die Diskussion mit der Feststellung, dass Europa nun den umfassendsten Krypto-Rahmen implementiert hat, während Peter Kerstens, einer der Hauptarchitekten von MICA, das Publikum daran erinnerte, dass das ursprüngliche Ziel von Anfang an klar war: Krypto-Aktivitäten aus den Offshore-Schatten herauszuholen und in einen regulierten europäischen Markt zu bringen.
Kerstens erklärte, dass MICA bereits zeigt, dass es funktioniert. Ihm zufolge werden Lizenzen in der gesamten Europäischen Union erteilt, anstatt sich in einer einzigen Jurisdiktion zu konzentrieren, und aus Sicht der Europäischen Kommission ist das Fehlen größerer Beschwerden selbst ein Zeichen dafür, dass das Framework weitgehend wie beabsichtigt funktioniert. Wichtiger ist, dass er hinzufügte, dass Forderungen nach einem zukünftigen „MICA 2“ nicht bedeuten, dass das aktuelle Framework gescheitert ist, sondern dass der Markt bereits auf die nächste Stufe drängt.
Die zentrale Botschaft für das breitere Krypto-Publikum, einschließlich der Cardano-Leser, ist, dass MICA nicht das Ende der Geschichte ist, sondern der Anfang. Europa versucht nicht mehr nur, den Krypto-Markt so zu regulieren, wie er heute existiert. Es bereitet den Boden für eine breitere Phase digitaler Vermögenswerte vor, in der der Fokus über Token und Börsen hinaus auf eine tokenisierte Finanzinfrastruktur erweitert wird.
Tokenisierung wird zur Frage der Marktinfrastruktur
Der wichtigste Teil des Panels kam, als die Diskussion von der klassischen Krypto-Regulierung hin zur Tokenisierung wechselte. Kerstens war in diesem Punkt direkt und sagte, dass Europa nicht nur in eine Phase der „Krypto-Märkte“, sondern in eine Phase der „digitalen Vermögensmärkte“ eintritt, da jedes Vermögenswert tokenisiert, auf einer Blockchain platziert und innerhalb einer neuen Marktstruktur gehandelt werden kann.
Er ging weiter und beschrieb Tokenisierung als potenzielle neue Betriebsgrundlage für Finanzmärkte. Nach drei Jahrzehnten Arbeit an Marktinfrastruktur sagte er, dass er glaubt, dass Distributed-Ledger-Technologie, Blockchains und Tokenisierung das neue Betriebssystem der Finanzmärkte werden. Das ist keine geringfügige Formulierung. Es deutet darauf hin, dass Brüssel und ein Teil der europäischen Regulierungsbehörden Blockchain nicht mehr als Randexperiment sehen, sondern als Kandidaten für die Kerninfrastruktur zukünftiger Märkte.
Für Cardano-Leser ist das besonders relevant. Cardano hat Jahre damit verbracht, sich als Blockchain zu positionieren, die sich besser für ernsthafte institutionelle und infrastrukturelle Anwendungsfälle eignet, anstatt nur für kurzfristige Marktzyklen. In diesem Sinne ging es beim MICA-Panel nicht direkt um Cardano, sondern um das Markt-Framework, in dem Blockchains zunehmend danach beurteilt werden, ob sie Tokenisierung, Compliance und finanzielle Interoperabilität langfristig unterstützen können. Das ist weit wichtiger als ein weiteres generisches Panel über Preisaktionen oder Stimmungslagen.
Europas nächste Herausforderung ist die Umsetzung, Konsistenz und Vertrauen
Eine dritte wichtige Ebene des Panels konzentrierte sich auf die Umsetzung. Kerstens erklärte, dass eine der Stärken von MICA darin besteht, dass es sich um eine Regelung und nicht um eine Richtlinie handelt, was bedeutet, dass die Regeln direkt in der gesamten Europäischen Union gelten und nicht separat in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Zumindest formal reduziert das die regulatorische Fragmentierung.
Aber er zeigte auch auf die zentrale Herausforderung. Regeln können harmonisiert werden, aber die Aufsichtshaltungen können immer noch von einem Land zum anderen variieren. Deshalb sagte er, dass die Kommission vorschlägt, die Überwachung der Anbieter von Krypto-Dienstleistungen auf ESMA zu verlagern, damit der Markt schrittweise eine einheitlichere Aufsichtsstrategie entwickeln kann. Seine Formulierung war vielsagend: Ziel sollte nicht sein, eine „pro Krypto“-Einstellung zu schaffen, sondern eine „pro Innovation“-Einstellung. Mit anderen Worten: Europas Regulierungsprojekt wird nicht mehr als Zugeständnis an Krypto eingerahmt, sondern als Teil einer breiteren Innovationsstrategie.
Kerstens verglich Europa auch mit den Vereinigten Staaten und argumentierte, dass Europa früher handeln konnte, weil MICA entwickelt wurde, bevor das Thema stark politisiert wurde. Aus seiner Sicht wird der amerikanische Prozess jetzt dadurch verlangsamt, dass die Kryptoindustrie und der Bankensektor oft als gegensätzliche Lager den Diskurs führen, anstatt als Teilnehmer zu agieren, die auf ein gemeinsames Framework hinarbeiten.
Das könnte die wichtigste Schlussfolgerung des gesamten Panels sein. Europa debattiert nicht mehr darüber, ob Krypto überhaupt reguliert werden sollte. Es debattiert jetzt darüber, wie dieses Framework zur Grundlage für tokenisierte Märkte und ernsthaftere institutionelle Adoption werden kann. Für Cardano und ähnliche Projekte ist die Frage nicht mehr nur technologisch. Die wahre Frage ist, welche Blockchains sich am effektivsten in einen Markt einfügen werden, der zunehmend durch Compliance, digitale Identität, Marktinfrastruktur und regulatorisches Vertrauen definiert ist.